FedCon 2009 – Drei Tage in einer anderen Welt

Auch, wenn es ein bisschen länger gedauert hat, bis ich meinen Bericht fertig bekommen habe, nun ist es endlich so weit.^^

Im Gegensatz zu dem im Allgemeinen so eingeführten Standardformat von „Zuerst waren wir hier, anschließend waren wir da und haben das und das gemacht …“ werde ich zur Abwechslung einmal meinen Bericht über die FedCon in diesem Jahr ein bisschen objektiver angehen und dabei vor allen Dingen eher an diejenigen von euch richten, die bisher noch nicht auf dieser alljährlichen Convention gewesen sind. Von Vornherein weg: Ich werde nichts beschönigen und nichts heruntermachen, denn künstliche Aufbauschereien, sei es zum Guten wie auch zum Schlechten, würde das Bild trüben und euch würde dieser Bericht zum Schluss genau so viel bringen, als wenn ihr ihn erst gar nicht gelesen hättet. Nur, um euch also im Vorfeld die Zeit, und mir hinterher eine überfüllte Mailbox zu ersparen.^^

Die Fotostrecke zu diesem Bericht findet ihr hier: [ Fotostrecke ]



Die FedCon 2009 ist meine dritte Convention. Ich bin also nicht unbedingt mehr einer der „Con-Frischlinge“, aber zur Riege der alten „Con-Hasen“ gehöre ich nun auch wieder nicht. Um aber einigermaßen in Worte fassen zu können – und die Erlebnisse während einem Con-Wochenende sind, wie ihr merkt, alles andere als leicht in wenige Worte zu fassen *g* – würde ich einfach sagen: Stellt euch vor, ihr würdet einfach mal so für drei/vier Tage aus dem normalen Zeitverlauf des Alltags herausspringen und in eine andere Welt eintauchen, in der ihr als SciFi- (und insbesonders natürlich Star Trek – Fans) schon immer sein wolltet. Wie gesagt, ihr seid es über diese Zeit hinweg natürlich nicht wirklich, sondern ihr sollt es euch ja nur so vorstellen. Aber wenn man an einen Ort ankommt und dabei auf eine Art Mikrokosmos trifft, der die Bedeutung der Außenwelt für einen Moment in den Hintergrund rückt, dann ist das schon wirklich beeindruckend. Gut, vielleicht mögt ihr nun denken, ich bin ein Freak. – Das kann gut sein und gehört zum Risiko dazu, wenn man seine Eindrücke hier schreibt. Aber für mich war der Rest der Welt während dem FedCon-Wochenende gelinde gesagt so ziemlich scheiß egal.*g*

Die FedCon gilt im Allgemeinen als die wohl größte und erfolgreichste SciFi-Convention in Europa. Sie ist so bekannt, dass selbst Amerika dagegen blass aussieht. Und das, obwohl man nicht sagen kann, dass die FedCon von der räumlichen Fläche her überdimensional groß ist. Versteht das nicht falsch: Sie ist nicht klein. Sie ist beeindruckend. – Aber erwartet nicht Disneyland. Die Convention findet alljährlich im Maritim-Hotel in Bonn statt – einem sehr luxuriös eingerichteten Vier-Sterne-Nobelbunker – und erstreckt sich über die gesamte Hotellobby, zwei sehr großen Kongress-Sälen und einigen größeren Räumlichkeiten. Wenn man so will, kann man sämtliche Räume innerhalb von ca. einer knappen halben Stunde ablaufen. Allerdings ohne dabei wirklich etwas gesehen oder mitbekommen zu haben, denn der Schlüssel zum Erfolg liegt nicht in der Größe dieser Convention, sondern viel eher in der Reichhaltigkeit des Angebotes. Egoistisch betrachtet würde ich fast behaupten, dass es am Besten wäre, wenn jeder die FedCon nach eigenem Ermessen erkunden würde. Denn es ist unmöglich alles gleichzeitig mitzuerleben, da viele Programmpunkte parallel ablaufen und man als Gruppe immer einen Kompromiss finden muss, der jeden zufrieden stimmt. Auf der FedCon werden viele Highlights aus zahlreichen bekannten und neuen SciFi-Serien und Filmen präsentiert. Von daher ist es von Vorteil, wenn man in einer Gruppe unterwegs ist, die möglichst identische Interessen und Prioritäten für den selbst zusammengestellten Programmablauf setzt, wie man selbst. Ansonsten wird man sich des Öfteren aufteilen müssen, um Enttäuschungen zu verhindern und jedem gerecht zu werden. Sollte die Programmeinigkeit jedoch kein Problem darstellen, wird die FedCon ein unvergleichliches Erlebnis für alle werden, denn es ist so ziemlich jedes Jahr für jeden Geschmack etwas Passendes dabei. Sowohl, was die Vielfältigkeit des Genres SciFi, als auch die übergreifenden Alters-Generationen angeht.

Nun aber einmal zu den definitiven Vorteilen dieser Con: Ihr seit hier unter Gleichgesinnten. Ganz egal, zu welchen Serien und Filmen ihr auch haltet. Ihr werdet auf Mitmenschen treffen, die eure Faszination teilen. Manche mehr als ihr, andere weniger. Aber eine sehr schöne Tatsache ist, dass sich hier keine Fronten bilden, wie es leider so oft im Internet zu beobachten ist, wenn Fans der einen Serien über Fans der anderen Serien herziehen. Toleranz spielt hier eine ganz große und sehr bedeutende Rolle. Besonders im großen Hauptsaal – der während der Convention liebevoll in „Main-Bridge“ umbenannt wird – zeigt sich dieses Gemeinschaftsgefühl ziemlich deutlich, wenn während der Opening-Ceremony alle Stargäste der verschiedenen SciFi-Formate auf der Bühne erscheinen. Auch, wenn viele dieser Serien bereits vor Jahren abgedreht und eingestellt wurden, bleibt die unbeschreibliche Euphorie bei ein jeder ungemindert erhalten. Dies hat sich besonders während einer großen Lasershow in der Eröffnung gezeigt, als jede Serie mit musikalischer Untermalung gewürdigt wurde. Es scheint, als ob die Welt während diesem Wochenende allgemein ein bisschen freundlicher ist als sonst. Alle Menschen, auf die wir während der Con getroffen sind – und das waren seeeehr viele *g* – waren durchweg höflich, nett, zuvorkommend und aufgeschlossen. Selbst die für gewöhnlich längere Zeiten in den diversen Warteschlangen konnte so problemlos mit Smalltalk, etc. überbrückt werden. Ein typisches Con-Phänomen ist es, sich mit anderen Menschen auszutauschen, die man meistens noch nie zuvor gesehen hat, und die manchmal sogar andere Sprachen sprechen. Das macht aber nichts, denn die Kommunikation mit gebrochenem Englisch in Kombination mit Händen und Füßen, klappte bisher immer prima und hat sich schon seit jeher bewährt.
Zum Programmablauf selbst kann man sagen, dass es jedes Mal mit zahlreichen Highlights versehen ist. Im Vordergrund stehen dabei natürlich die Auftritte der Gaststars (die so genannten „Panels“). Hierbei erfährt man sehr viel Wissenswertes über die Serien oder die Filmen in denen der- oder diejenigen mitwirken oder mitgewirkt haben. Neben zahlreichen, lustigen Anekdoten vom Set und Informationen über die Stars selbst, hat man hier auch die Möglichkeit, eigene Fragen direkt an den jeweiligen Gast auf der Bühne zu stellen. Dabei kam es schon so manches Mal zu so göttlichen Situationen, dass man sich vor Lachen kaum mehr auf dem Stuhl halten konnte. In diesem Jahr war es John Billingsley (Darsteller vom ST-ENT-Charakter Dr. Phlox), der gemeinsam mit seiner Frau für ein wahres Gag-Feuerwerk sorgte und den gesamten Saal unsicher machte. Ein wirklich geniales Panel, das hoffentlich auch in voller Länge auf der diesjährigen FedCon-DVD enthalten sein wird.*g*
Neben diesen offiziellen Auftritten gibt es aber auch noch weitere Möglichkeiten, um mit „seinen Stars“ mal in Kontakt zu treten. Zum einen kann man bei den Autogrammstunden, etc. manchmal einige kurze Sätze miteinander wechseln, zum anderen kann man aber auch Zwischendurch dem einen oder anderen Darsteller im Hotel begegnen – ja, die laufen da wirklich alle „frei“ rum.^^ – und mit ihnen einen kurzen Plausch abhalten. Besonders am Sonntag, dem letzten Tag der Con, nachdem die meisten offiziellen Termine vorüber sind, nehmen sich viele Stargäste gerne Zeit für ihre Fans. – Und das ist wirklich keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Privileg hier in Deutschland. Denn nach allgemeiner (offizieller, wie auch inoffizieller) Aussage – und diese hat sich bisher bei allen Cons, auf denen ich war, immer wiederholt und kann somit kein „Schleimen“ sein – sind die deutschen Fans die treuesten, loyalsten und zugleich höflichsten Fans auf der Welt! Nichelle Nichols (Darstellerin von Lieutenant Uhura aus ST-TOS) war zu Tränen gerührt, als sie über mehrere Minuten lang im vollbesetzten Hauptsaal (ca. 4.000 Plätze) zur Begrüßung Standing Ovations erhielt. Das sind wirklich einmalige Gänsehaut-Momente gewesen, die ich selbst – als kleiner Fan unter vielen – wohl niemals mehr vergessen werde und die mich zugleich unheimlich stolz machen, zu so einer starken und liebenswerten Fangemeinschaft zu gehören.

Und eben aus diesem Grund ist es auch wichtig, diese Fanbasis fortzuführen. Egal, was aus Star Trek auf offiziellem Wege wird. Die Meinungen über den aktuellen Film gehen ja auseinander und ebenso auch die zum Verlauf, wie sich Star Trek insgesamt in den letzten Jahren von offizieller Seite her entwickelt. Wichtig ist, dass die Fans sich selbst und der ursprünglichen Star Trek – Vision treu bleiben und diese weiterführen.

Um aber nicht wieder in zu großer Euphorie dahinzuträumen möchte ich an dieser Stelle auch die andere Seite einer Convention dieser Art kurz anschneiden. Ich möchte sie nicht als negativ abtun, sondern nur eher aufzeigen, worauf man sich einlässt, wenn man eine Convention von so einer Größenordnung besucht:

Thema Übernachtung: Es ist schwierig während dem Con-Wochenende in Bonn eine Bleibe zu finden. Und wenn doch, dann müsst ihr aller Wahrscheinlichkeit nach tief in die Tasche dafür greifen. Die Zimmer im Maritim-Hotel selbst sind meist schon auf lange Sicht vorher komplett ausgebucht. D.h. es ist schwer dort kurzfristig unterzukommen. Bedenkt dies und beginnt mit euren Planungen frühzeitig, wenn ihr selbst mal mit dem Gedanken spielt, die Con zu besuchen.

Thema Schlaf: Ihr werdet nicht viel davon über das Wochenende haben. Wenn ihr möglichst viel von dem Programm mitbekommen möchtet, bedeutet dies lange Abende und (sehr) frühes Aufstehen am Morgen. Vor allen Dingen, wenn man sich die allabendlichen Con-Partys nicht entgehen lassen möchte.*g*


Thema Geld: Wie alles im Leben kostet natürlich auch die Con Geld. Ganz besonders, wenn man sich auch mit einigen Erinnerungen, wie Bilder aus einem gemeinsamen Fotoshooting mit seinen Lieblingsstars oder Autogrammen, etc. eindecken möchte. An dem Wochenende kann man ganz schnell eine Menge Geld ausgeben. Seht die Con daher wie eine Art Kurzurlaub an und kalkuliert dementsprechend ein paar Euro mehr ein, wenn ihr euch was gönnen möchtet.

Thema Gesellschaft: Eine Convention mit Freunden, etc. zu genießen ist natürlich eine tolle Sache und bringt den meisten Spaß. Tut euch selbst allerdings den Gefallen und nehmt wirklich nur Leute mit zu einer Con, die sich auch dafür interessieren und die mit Faszination dabei sind. Es hat keinen Zweck, sich über ein Wochenende Quängelliesen ans Bein zu binden, die hinterher nur am Rumnörgeln sind, weil ihnen alles und jeden – wahrscheinlich auch sie sich selbst – nicht in den Kram passen. Sie wären auf der Convention fehl am Platz und würden euch den Spaß nur verderben.

Thema Geduld: Wenn ihr euch gerne Autogramme von euren Stars holen möchtet oder zum gemeinsamen Fotoshooting mit ihnen wollt, plant genügend Zeit ein und macht euch auf lange Warteschlangen gefasst. Wir haben an diesem Wochenende schätzungsweise gute 60% der Zeit in irgendwelchen Schlangen verbracht.

Das war es auch schon. Wenn ihr all diese Punkte beachtet und feststellt, dass ihr bereit seid, euch dennoch ins Con-Getümmel zu werfen, dann werdet ihr dort auch euren Spaß finden. Wie schon gesagt – so eine Convention ist wirklich nichts für jeden. Für manche kann diese Zeit dort auch in Stress ausarten. Daher seid dann so fair und erspart euch und den anderen Con-Besuchern diesen Stress, wenn ihr merkt, dass so etwas nichts für euch ist.

Ich glaube, damit müsste ich eigentlich so ziemlich alles erzählt haben, was mir derzeit dazu eingefallen ist. Es ist schwer, alles aufzuführen, was eine Con ausmacht und jeder hat dabei natürlich auch seine ganz eigenen Highlights. Fakt ist jedenfalls, die FedCon war für mich und all diejenigen, die bisher mit mir dort waren – ein unvergleichliches Erlebnis, das all die Umstände – von der langen Anreise, über den mangelnden Schlaf, etc. – wert war. Und eins ist jetzt schon sicher: Nächstes Jahr sind wir wieder dabei! *g*

In diesem Sinne … life long and prospher, FedCon!


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